Amira Khalil

Mein Name ist Amira, ich bin 1995 in Afghanistan geboren und seit 2016 lebe und arbeite ich in Den Haag für eine Organisation die sich um Flüchtlingskinder, Migranten und Kinder aus Sozialschwachen Familien kümmert.

Ich habe in den Niederlanden eine Ausbildung als Erzieherin gemacht  und bin in meinen Beruf sehr glücklich. Zum einen habe ich sehr viele Freiheiten bei dem wie ich Unterricht gestalte oder mich in unserm psychologischen Team einbringe.
Auch kann ich in mehreren Schichten arbeiten und habe so andere Aufgaben bei der Nachtschicht. Wenn die Kinder Nachts Alpträume bekommen, ist die etwas völlig anderes als wenn ich am Vormittag das Alphabet lerne.

Meine Aufgaben in der Einrichtung sind sehr vielseitig. So betreue und lernen ich die Kinder die Sprache. Auch kann ich mich therapeutisch und psychologisch einbringen.
So leite ich einen Photoworkshop und bin mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen in vielen Orten und Regionen der Niederlande unterwegs.
Durch oder wegen der Flucht der Kinder haben sie viele Traumata die wir in einem Team aus Erziehern, Lehrer und Psychologen aufarbeiten.

Meine Mutter hatte bis zum 16. August (an dem Tag hat das Militär vor der Taliban kapituliert) in Afghanistan eine Mädchenschule und sechs eigene Frauenhäuser für zwangsverheiratete und misshandelte Mädchen.
Seit April 2020 ist sie die Leiterin unsere Einrichtung und somit auch meine Chefin - was nicht immer von Vorteil ist. Da auch ich einen eigenen Wille habe, rasseln wir beide hin und wieder schon mal zusammen.

Nila wurde 2007 meine Mutter und ich kann mir keinen besseren Menschen als Mama wünschen.
Ob meine leiblichen Eltern noch leben, ist mir ziemlich egal. Sie hatten mich mit 10 Jahren verheiratet und ich erlitt zwei Jahre die Hölle in dieser "Ehe".
Ich bin damals mit letzter Kraft weggelaufen und mir war klar, dass es meine Freiheit oder mein Tod werden könnte.
Nach den offiziellen Unterlagen stab ich im März 2007. Diesen Schritt musste Nila (und ein paar andere Mensch) gehen, damit ich leben konnte.
Mir wurde ab 2007 mit der Arbeit, Engagement und Weitblick, vieles mit auf den Weg gegeben. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Im August 2016 wurde meine Mama zur direkten Zielscheibe der Taliban und hätte sie keinen Bodyguard und gepanzertes Auto gehabt, wäre ich Vollwaise.
Drei Tage nach diesem Anschlag sind wir im Stuttgart bei meinen Großeltern (ist ja auch nicht wahr) gelandet.  Einen Tag später war ich in den Niederlanden.

Wir sind eine nicht verwandte Familie und trotzdem sind wir diese. Mein Opa und Oma sind die liebsten Menschen auf dieser Welt und seit März 2020 leben sie auch in den Niederlanden.

Bildung ist für mich sehr wichtig, denn nur mit Bildung können wir diese Welt verbessern / verändern. Bildung ist der Schlüssel um aus Armut und Abhängigkeit zu kommen. Die Spirale der Armut und Analphabetismus geht im 21. Jahrhundert weiter nach unten und führt somit zu immer größeren Konflikten.

Um nun Irritationen entgegenzuwirken, warum ich so gut Deutsch kann, möchte ich dies noch erklären.
Nila lebte 15 Jahre in Deutschland und so wurde ich von ihr in / auf deutsch unterrichtet. Durch die Arbeit von meiner Mutter und deren Freundinnen / Kolleginnen lernte ich auch in frühen Jahren schon Englisch.

Groeten uit het mooie Den Haag
Amira